Ein Katzenpaar hat in zehn Jahren 80 Millionen Nachkommen - Frühzeitige Kastration als Mittel zur Eindämmung von Katzenflut und Katzenelend.

Wer hat sie nicht schon einmal gesehen: die halb verhungerten, freilebenden Katzenkinder, die mit völlig verquollenen Augen und triefenden Nasen ein kärgliches Dasein fristen.
Diesem Elend entgegenzuwirken haben sich Tierschutzvereine und Katzenfreunde zur Aufgabe gemacht.
Darüber, wie dies am besten möglich ist, diskutierten aktive Tierschützer und Tierärzte in der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes in Neubiberg bei Münschen.

Die geradezu sprichwörtliche Fruchtbarkeit der Katzen, die dieser Tierart den Fortbestand sichern soll, wurde ihr in der heutigen Zeit zum Verhängnis. Bedenkt man, dass ein Katzenpaar pro Jahr im Durchschitt 2,8 Welpen bekommen kann, so vergrößert sich die Katzenpopulation innerhalb von 10 Jahren auf ca. 80 Millionen Tiere. Dies verdeutlicht, wie umfangreich und gut geplant Aktionen angelegt werden müssen, um einer unkontrollierten Vermehrung der Bestände entgegenzuwirken. Dass man durch ein gezieltes Vorgehen die Entwicklung der Katzenbestände positiv beeinflussen kann, zeigen zahlreiche Beispiele aus den Tierschutzvereinen. Dabei genügt es nicht, eine einmalige umfangreiche Kastrationsaktion durchzufürhen. Vielmehr muss die anschließende Betreuung und die Kontrolle der Bestände an fest eingerichteten Futterstellen gesichert sein. So kann man wesentlich zur Gesunderhaltung der Bestände beitragen.

Wichtig ist, dass diese Arbeit kontinuierlich fortgesetzt wird. Die Kastration von freilebenden Katzen und nach Möglichkeit auch all derer, die zu einer Familie gehören, stellt derzeit die einzige Möglichkeit dar, das Anwachsen der freilebenden Katzenpopulation und die damit verbundene Verelendung der Tiere zu verhindern. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Privathalter, die eine junge Katze aus dem Tierheim aufnehmen, häufig vergessen, das Tier kastrieren zu lassen. Für den Tierschutzverein ist es daher wichtig, nur kastrierte Kätzchen in gute Hände weiterzuvermitteln. Da sich freilebende Katzen, die einmal eingefangen wurden, nur schwer erneut fangen lassen, kann es bei diesen Tieren nötig sein, sie bereits in jungenm Alter zu kastrieren. In einer regen Diskussion, die aktiver Tierschützer und Tierärzte an der Akademie für Tierschutz miteinander führten, wurde über das Für und Wider dieser “Frühkastration” gesprochen.

Generell versteht man unter der Kastration das vollständige entfernen der primären Geschlechtsorgane (Eierstöcke oder Hoden). Die Tiere erholen sich nach dem Eingriff schnell und können ihr gewohntes Leben wieder aufnehmen. Eine Fortpflanzung ist nicht mehr möglich . Normalerweise werden Kätzinnen in Deutschland in einem Alter von sehs bis sieben und Kater im Alter von neun Monaten zur Operation beim Tierarzt vorgestellt. In den USA werden seit langem jedoch auch sechs bis acht Wochen alte Katzenwelpen kastriert.
Diese Operation wird als Frühkastration bezeichnet. Die Erfahrungen, die man seit 10 Jahren dabei sammeln konnte, sind sehr positiv und lassen an der Operation und der Narkose kaum noch Zweifel aufkommen. In Deutschland wird die Frühkastration derzeit nur selten praktiziert. Dort, wo sie bereits vorgenommen wird, sind die Kätzchen in der Regel bei der Operation mindestens 12 Wochen alt. Die Erfahrung, die die Tierärzte gemacht haben, sind, ähnlich wie in den USA, sehr positiv.

Auch in unserem Tierschutzverein wird die Frühkastration durchgeführt und auch wir haben nur positive Erfahrung damit gemacht.